Dein Körper als Kunstwerk – weg vom Funktionieren, hin zum Leben lieben
Stell dir vor, dein Körper ist ein High-End-Kunstwerk, das kuratiert werden will.
Nachdem ich mein Nervensystem über Jahrzehnte überstrapaziert habe, genieße ich heute in der Kunst besonders die Arbeit mit Textilien. Gleichzeitig merke ich immer deutlicher, dass auch mein Arbeiten achtsamer werden darf und statt Quantität Freude und Genuss im Vordergrund stehen dürfen.
Mein Körper erinnert mich immer wieder daran, dass ich mich um mich kümmern muss. Denn nicht nur unsere Wohn-, Arbeits- und Lebensräume sind Resonanzräume; der unmittelbarste Raum überhaupt ist unser Körper. In ihm wohnen wir!
Die Hektik der letzten Jahre hat mich dazu verleitet, das Mich-um-mich-Kümmern zu vernachlässigen – und ich bin mir sicher, viele Frauen und Männer wissen, wovon ich rede. Egal, ob man als Mama am Anschlag steht oder sich nach der Menopause fragt: Was will ich eigentlich wirklich noch für mich selbst aus diesem Leben zaubern?
Haare, Hautpflege und Schminken mussten bei mir immer schnell und einfach sein. Doch irgendwas ist anders geworden, denn heute merke ich, wie sich mein Wohlbefinden steigert, wenn ich das alles genieße und nicht mehr als Nebensache betrachte (oder als ein „ich muss halt ordentlich aussehen für die Welt da draußen“ 😅).
Wer kennt nicht dieses wohlige Gefühl, frisch geduscht und eingecremt in ein frisch bezogenes Bett zu schlüpfen? Dieses herrliche Gefühl, wenn der Dreck des Tages einen beim Haarebürsten verlässt – oder die schrumpelige Haut nach einer Cremepackung plötzlich wieder glatt und genährt ist?
Für mich geht es dabei um mehr als Körperpflege. Es geht darum, mit mir und meinem Körper wieder bewusster in Kontakt zu kommen, ihn wahrzunehmen und diesem hochsensiblen Instrument Aufmerksamkeit zu schenken – so, wie es für mich stimmt.
Es ist eigenartig: Über ein gemaltes Kunstwerk schreibt man mit Leichtigkeit über Schönheit und Sinnlichkeit. Aber den eigenen Körper als Kunstwerk zu betrachten, berührt bei vielen Schamgefühle oder gesellschaftliche Tabus. Und doch ist unser Körper das Wichtigste, was wir haben. Ohne ihn wären wir nicht hier.
Es geht um dieses große Ja zu sich selbst – das mit dem Alter für manche einfacher wird und mit dem andere sich schwertun. Darum, wie wir arbeiten und leben, ohne uns im ständigen Funktionieren zu verlieren. Einfacher, langsamer und angepasst an den individuellen Rhythmus.
Vielleicht liegt genau darin eine kleine Rebellion gegen das „Funktionieren-Müssen“: den eigenen Körper als das Kunstwerk zu betrachten, in dem wir unser ganzes Leben verbringen.