Warum deine Selbstzweifel nicht immer dein Talent betreffen – auch als Künstler:in

Du bist mitten im kreativen Flow – und plötzlich beginnt alles zu wanken. Dein Kopf wirft dir einen Zweifel nach dem anderen vor die Füße.

Solltest du dich besser vermarkten? Dich stärker anpassen? Vielleicht hast du gerade mit einer KI gearbeitet oder dir Marketingtipps angesehen. Alles klingt logisch. KI und Coaches versprechen schnelle Ergebnisse. Daneben wirkt dein eigener, langsamer Prozess plötzlich unproduktiv und zäh. Der Zweifler flüstert: „Mach es dir doch nicht so schwer!“

Doch du spürst: Das passt einfach nicht zu dir.

Wenn mein Weg keinen schnellen Erfolg bringt, stelle ich oft nicht die Strategie infrage, sondern mich selbst, meine Werke oder meine Ziele. Ich denke dann fälschlicherweise, ich müsste die Methode anderer 1:1 kopieren.

Die Falle des Idealselbst: Selbstzweifel als Künstler:in lösen

Genau hier beginnt für mich das Thema Selbstkonzept.

Unser Selbstkonzept beschreibt das Bild, das wir von uns selbst haben. Es beeinflusst, was wir uns zutrauen, welche Möglichkeiten wir überhaupt für denkbar halten und welche Rolle wir uns im Leben geben.

Dabei tragen wir alle mehrere Bilder von uns in uns:

  • Da ist der Mensch, der wir heute sind – so, wie wir uns selbst wahrnehmen (Realselbst).

  • Und da sind die Idealbilder der einzelnen Lebensbereiche: die Vorstellung davon, wie wir eigentlich sein wollen.

Unsere Idealbilder orientieren sich oft an fremden Erwartungen. Je größer die Lücke zwischen diesen Bildern wird, desto eher werten wir uns selbst ab. Nicht, weil wir versagt haben, sondern weil wir uns mit einer falschen inneren Vorstellung vergleichen.

Es geht nicht darum, schnell ein anderer Mensch zu werden. Es geht darum, bewusster wahrzunehmen: Wo lebe ich gegen mein eigenes Wesen? Was entspricht mir wirklich?

Kreative Menschen stehen zudem noch vor einer weiteren Herausforderung.

Kreativität gehört zu den ursprünglichsten Fähigkeiten des Menschen. Als Kinder erschaffen wir spielerisch, experimentieren und drücken uns aus, ohne zu fragen, ob etwas sinnvoll, wirtschaftlich oder erfolgreich ist. Im Laufe des Lebens wird dieser schöpferische Anteil fast bei jedem Kind massiv bewertet oder begrenzt.

Zudem begegnet die Gesellschaft dem Beruf von Künstler:innen oft mit Skepsis – obwohl Kunst allgegenwärtig ist und das Leben eines jeden bereichert. Auch das kann unser Selbstbild tiefer beeinflussen, als uns lieb ist.

Wer bin ich als Künstlerin?

Ich habe mich im letzten Jahr intensiv gefragt:

  • Was möchte ich ausdrücken?

  • Welche Arbeitsweisen entsprechen mir wirklich?

  • Wie sehe ich mich selbst?

  • Welche Rollen gebe ich mir – und welche übernehme ich nur, weil ich glaube, dass sie zum Künstlersein dazugehören?

Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass sich unbemerkt Idealbilder eingeschlichen hatten, die gar nicht zu mir passen. So finde ich es zum Beispiel faszinierend, wenn Künstler:innen sich jahrelang auf ein einziges Thema und Medium konzentrieren. Aber ich darf mir eingestehen: Ich funktioniere anders.

Ich bin keine Künstlerin für nur ein Medium. Ich arbeite intuitiv und aus einer philosophischen Wahrnehmung heraus. Zu Beginn weiß ich selten, was am Ende entsteht. Ob Malerei, Schreiben, Druck oder Textil – entscheidend ist für mich, dass ich etwas sichtbar mache, das vorher noch keine Form hatte. Ich lasse mich ganz vom Material führen.

Der eigenen Wahrnehmung und dem Herzen folgen.

Kreativer Rhythmus: Warum starre Routinen blockieren können

Besonders deutlich wurde mir das an meinem Arbeitsrhythmus.

Über viele Jahre war mein Alltag von äußeren Strukturen geprägt. Ich dachte immer, Zeitblöcke, feste Routinen oder Cluster könnten für mich hilfreich sein. Heute weiß ich: Starre Zeitblöcke und Routinen nach der Uhr stressen mich enorm.

Ich brauche Struktur, aber sie muss sich meinem Energiehaushalt anpassen, sonst werfe ich sie wieder über Bord.

Heute beobachte ich immer genauer, was ich brauche, um kreativ zu sein – und genauso, was mich davon abhält.

Die Erlaubnis, man selbst zu sein

Doch ein tragfähiges Selbstkonzept entsteht nicht allein dadurch, dass wir mehr über uns wissen. Es verändert sich erst, wenn wir beginnen, anders über uns zu denken, mit dem ständigen Vergleichen aufzuhören und entsprechend zu handeln. Echte kreative Authentizität bedeutet, mutig den eigenen Weg zu gehen – abseits von den Erfolgsrezepten anderer.

  • Manchmal reicht ein klares „Nein, danke.“

  • Manchmal genügt die Entscheidung: „Heute mache ich es dennoch.“

  • Und manchmal beginnt die Befreiung aus der Perfektionismus-Falle mit der Erlaubnis, etwas auszuprobieren – und es ebenso wieder loszulassen, wenn wir merken: Nein. Das bin ich nicht.

Für mich beginnt genau dort ein kreatives, selbstgestaltetes Leben. Nicht mit der Suche nach der richtigen Methode. Sondern mit der Bereitschaft, der eigenen Wahrnehmung und der eigenen Art, Dinge umzusetzen, zu vertrauen.

Erlaube dir, unperfekt und transparent zu sein –wie die filigranen Strukturen in der Natur.

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Beflügelt oder blockiert dein Raum deine Kreativität?